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Wann und warum sich Printmagazine immer noch lohnen

  • 9. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Nicht selten stehen sie intern zur Diskussion. Zu teuer und nicht messbar seien sie. Dabei haben Printmagazine Stärken, die kein anderes Medium bietet.




Doch zuerst kurz zu den Argumenten dagegen, denen ich die letzten zwanzig Jahren beruflich oder im privaten Umfeld begegnet bin.

 

  • Print ist tot. Gähn!

  • Print ist teuer. Stimmt, wobei die Distribution, – also das reine Zustellen – mit Abstand der grösste Posten ist. Danke liebe Post.

  • Print ist altmodisch. Nur weil es diese Form schon lange gibt? Ich trag auch schon seit fast 30 Jahren die immer gleichen «Chucks» und find das allerhöchstens oldschool :-)

  • Print ist nicht messbar. Wenn man seinem Chef ein paar tausend Klicks und eine durchschnittliche Verweildauer von 42 Sekunden als Erfolg verkaufen kann, stimmt das. Bei Magazinen bleibts meist bei der zugestellten Anzahl Exemplaren und persönlichen Feedbacks.



 

Check.


 

  

Magazine können Wissen vermitteln und Einordnen

 

Eine der grössten Stärken von Magazinen liegt in der langen Produktionszeit, die sich oft über Monate erstreckt. Genau diese Zeit ermöglicht es der Redaktion, aktuellen Themen auf den Grund zu gehen und sie im Magazin einzuordnen und verständlich zusammenzufassen. Das steht im ziemlichen Kontrast zu Newsportalen, die Artikel laufend aktualisieren müssen, um ihre Leserschaft bei Laune zu halten. Beide Kanäle haben ihre Berechtigung und decken Bedürfnisse perfekt ab. Magazinen und Wochenzeitungen kommt dabei die Rolle des Einordnens zu.


Ein Beispiel: Die Wochenzeitung «Die Zeit» hatte 2005 eine Auflage von rund 480‘000 Exemplaren. Aktuell liegt diese bei 650‘000 Exemplaren. Diese Entwicklung zeigt eindrücklich, dass gross das Bedürfnis nach Hintergrund ist. Ich glaube, viele Menschen sind oft auch informationsmüde und schätzen es daher, wenn jemand für sie einordnet und zusammenfasst.

 

  

Magazine sind ein beliebtes Give-away

Ein international bekanntes Industrieunternehmen schrieb einst einen Pitch für ihre Kundenkommunikation aus. Vorgabe: dreimal jährlich eine Tablet-Ausgabe und einmal jährlich eine Art Best-of als gedrucktes Magazin (ja, ich weiss!, aber war 2005 noch so). Diese Strategie hielt drei Monate, dann intervenierte der Verkauf. Fortan wurden beide Formen dreimal jährlich gemacht. Und nach zwei Jahren wurde die Tablet-Ausgabe ganz eingestellt.

Grund: Dem Verkauf fehlte etwas, was sie den Besucher:innen auf Messen im persönlichen Kontakt mitgeben könnten. Allein auf eine App hinzuweisen, reichte nicht. Sie wollten ihren Kundinnen und Kunden etwas Wertschätzendes mitgeben.

 

  

Magazine sind ein Content-Treiber

Regelmässig erscheinende Magazine sind oft der Grund, warum Inhalte überhaupt produziert werden und warum Geld für professionelle Fotografie oder Illustrationen ausgegeben wird. Davon profitieren digitale Kanäle, die häufig Zweitkanal sind.

Ich beobachte, dass Publizieren auf rein digitalen Kanälen zu einer kreativen visuellen Verarmung führen. Bilder werden immer mehr mit KI produziert oder kommen von Bilddatenbanken. Das Gleiche gilt für Illustrationen. Ein immer grösser werdendes Meer an austauschbaren und nichtssagenden visuellen Tapeten. Infografiken, die komplexe Themen gründlich recherchiert und zugleich visuell verständlich aufbereiten, werden immer seltener.

 

 

Storytelling auf Webseiten ist eintönig

Eigentlich paradox. Seit mehr als 30 Jahren entwickelt sich die Technologie immer weiter und doch Artikel auf Webseiten sehen immer noch gleich aus. Mal ein Karussell von Bildern am Anfang, mal einfach ein grosses Bild. Kurze Abschnitte unterbrochen mit Zitaten und weiteren Bildern. That’s it.

 

Natürlich gibt es interessante Formate wie beispielsweise Scrollytelling, aber solche eignen sich nur selten und bleiben die Ausnahme. Auch haben Smartphones mit ihren kleinen Bildschirmen tragen zusätzlich dazu bei, dass die Artikel eigentlich immer mehr nur noch durch die Schriftart und die Schmuckfarben unterscheiden.


Auch wenn Videos immer beliebter wurden, bleibt ihr Einsatz überschaubar. Sobald sie über Interviews oder einfache Dokumentationen hinausgehen, sind sie oft einfach zu teuer und ihre Produktion dauert verhältnismässig lange. Der Vergleich der Storytellingmöglichkeiten von Print und Digital ist erschreckend. Erschreckend erbärmlich für die digitalen Kanäle.

 

  

Gute gemachte Magazine überlassen nicht viel dem Zufall

Egal ob eine Neukonzeption ansteht oder ein Redesign, Inhalte nicht strategisch zu denken wäre eine Fahrlässigkeit. Spätestens bei der dritten Ausgabe kann sich das rächen. Fixe Rubriken, die nicht mit spannenden Inhalten über sicher 10 Ausgaben hinweg bestückt werden können, sollte man besser vermeiden. Auch lohnt es sich, Gedanken darüber zu machen, wie ausgewogen ein Magazin punkto Kommunikationszielen ist. Nur Werte vermitteln wäre genauso einseitig wie nur Wissen vermitteln zu wollen. Ein guter Mix machts meistens besser.

 


Menue Surprise

Miriam Meckel sagte bei einem Vortrag in Kaufleuten mal, dass man beim Lesen eines Magazins oder Zeitung manchmal bei einem Artikel hängen bleibt, mit dem man vor dem Öffnen der Zeitung nie damit gerechnet hätte.

 

Print ist ein Push. Es macht einen Vorschlag, serviert ein Menü und kann überraschen. Online hingegen suche ich mit engem Fokus und unter Einwirkung von Algorithmen der Tech-Giganten. Da ist nicht viel mit Überraschung. Und ausserdem: Die ganze Woche über schauen wir Stunden über Stunden in Bildschirme. Dies am Wochenende mal zu lassen oder mindestens zu minimieren, ist mir eine willkommene Auszeit. Sessel, Kaffee und eine Zeitung. Richtig schön altmodisch. Hoch die Hände – Wochenende!




PS.
Wirklich ein sehr gutes Beispiel für ein Produkt, welches im Print, ihr digitales Pendant um Meilen übertrifft, ist der «Health Forecast» der Sanitas.
 
PPS.
Gratulation an die Agentur, die die Geschäftsleitung davon überzeugen konnte, bei diesem Projekt auf Print zu setzen.

 

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