Nicht ausruhen auf den Lorbeeren



Und plötzlich landet ein Magazin immer öfter ungelesen im Papierkorb. Warum? Vielleicht einfach darum, weil man nicht mehr das Gefühl hat, es gelesen haben zu müssen. Die ersten zwei, drei Ausgaben war es noch neu und spannend, danach aber müssen sich die Macherinnen und Macher schon etwas mehr bemühen, um Aufmerksamkeit zu erzielen.


Zugegeben, es gibt einige Gründe, die dafür sprechen, das Erfolgsrezept des eigenen Kundenmagazins zu wiederholen. Es scheint ja zu funktionieren. Man bekommt auf die ersten Ausgaben gutes Feedback und selbst der Chef ist vollen Lobes. Schön – geniessen Sie diesen Moment, denn es kommt bestimmt wieder anders. Es gibt aber auch praktische Gründe, die dafürs sprechen dafür, immer wieder nach dem gleichen Muster vorzugehen. Man kann den Aufwand einschätzen und somit zuverlässig die Produktion planen. Ist nützlich, denn die tägliche Arbeit wird nicht weniger und die Zeit ist immer knapp. Das gefällt Projektverantwortlichen als auch Agenturen und eine gewisse Rendite lässt sich so auch erzielen. Damit wären die guten Gründe fürs Wiederholen des Erfolgsrezeptes aber auch schon fertig aufgeführt.


Das Erfolgsrezept repetieren? Hä?


Machen Sie den Test. Nehmen Sie die letzten drei, vier Ausgaben Ihres Magazins und legen Sie diese so auf einen Tisch, dass man alle Covers sehen kann. Und nun beginnen Sie, die einzelnen Magazine parallel durchzublättern, Seite für Seite. Vielleicht kommt jetzt zum Vorschein, dass sich die Ausgaben stark ähneln, ja beinahe identisch sind. Der Rhythmus der Storys beispielsweise. Zwei Seiten, vier Seiten, drei Seiten, eine Seite – immer gleich. Und dies in jeder Ausgabe! Wer sagt denn, dass dies immer so sein muss? Die Leserinnen und Leser bestimmt nicht. Diese möchten einfach gut unterhalten werden. Oder informiert. Im Idealfall beides. Und was für den Rhythmus gilt, gilt auch für die Bildsprache und das Layout, ja selbst die Storys ähneln sich. Eine Repo folgt auf ein Portrait, dann dies dann das. Sehr berechenbar.


Ich finde zwar nicht, dass man jede Ausgabe eines Magazins neu denken muss, dazu fehlt meist sowieso das Budget und die Zeit. Ab und zu etwas Mut zu beweisen und einen Mehraufwand auf sich zu nehmen, weil es zur aktuellen Ausgabe und den Geschichten passt, wäre aber nicht verkehrt. Verlassen Sie die Komfortzone und denken Sie etwas freier. Manchmal ist eine gute Idee genau richtig, selbst wenn sie nicht in den gewohnten Aufbau Ihres Magazins passt. Überraschen Sie Ihre Leserinnen und Leser - das kommt meistens sehr gut an.


Um es mit anderen Worten zu sagen: Viele lieben Restaurants, bei denen dienstags immer Schnitzeltag ist, wo es mittwochs Sri-Lanka-Curry gibt und man Donnerstag jeweils die besten Burger bekommt. Das hat etwas Berechenbares und weiss man, was man hat. Genauso schätzen Lesende durchaus spannende wiederkehrende Rubriken und den Wiedererkennungswert eines Magazins. Andererseits möchten Sie als Koch oder eben als Contentcreator möglichst viele Menschen abholen. Seien Sie darum kreativ, wenns darum geht, die Wochenmenükarte zu schreiben und überlegen Sie sich, ob es denn wirklich immer nur Schnitzel, Sri-Lanka-Curry oder Burger geben soll und der Platz für Ideen sich nur auf den Montag und Donnerstag beschränkt.


Und: nach einem überraschenden Magazin, wo mal alles ein wenig anders läuft, schmeckt auch das Bekannte wieder noch besser.